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Somalia

SomaliaVom Bild des Krieges, das vor allem durch die früheren großen zwischenstaatlichen Kriege geprägt war, müssen wir uns größtenteils verabschieden.

Vor allem der Friedensforscher Herfried Münkler beschäftigt sich mit den Kennzeichen der sogenannten "neuen Kriege", die sich seiner Meinung nach von den "alten Kriegen" grundlegend unterscheiden. Die Kennzeichen sind Entstaatlichung, Privatisierung, Autonomisierung, Asymmetrierung und Kommerzialisierung. Somalia gilt als ein von den "neuen Kriegen" gekennzeichnetes Land.

Der letzte Diktator Somalias, Siad Barré, wurde 1991 gestürzt und seit dem hat Somalia keine zentrale Regierung mehr. Der Staatszerfall in Somalia bietet  Nährboden für die Kennzeichen der "neuen Kriege" (Entstaatlichung). Seit dem Sturz Siad Barrés sind schon dreizehn Versuche der Europäischen Union, der Vereinten Nationen und der umliegenden Regionen gescheitert, eine politische Regelung einzuführen.

Derzeit läuft der 14. Versuch der Regierungsbildung. Die somalische Bevölkerung ist der Machtgier der Warlords, der Kriminellen und Milizen ausgeliefert, da sie nicht der Autorität einer Regierung unterliegen. Die Milizen kämpfen gegeneinander und gegen die Bevölkerung. Sie ziehen plündernd und zerstörend durch das Land, das immer mehr Ressourcen verliert, sodass die Bevölkerung an Hungersnot leidet (Privatisierung).

Warlords, die in der "neuen" Regierung in den Ministerrang befördert wurden, hielten ihre eigenen Beschlüsse nicht ein: Sie haben die Waffen und die Kontrolle über Flughäfen und Seehäfen, durch die sie ihre Armeen bisher finanzierten, nicht der Regierung übergeben. Jegliche internationalen Versuche zur Besserung der Situation schlugen fehl. "Es gilt das Gesetz des Dschungels" und die für uns im humanitären Völkerrecht verankerten Werte haben eine kurze Überlebensdauer (Autonomisierung). Kommen Frachter mit Zucker aus Brasilien an einen Hafen, trauen sich die Seemänner nicht an Land. Dort ist es zu gefährlich. Der Waffenbesitz in Somalia ist eine Art Lebensversicherung. Durch das Tragen einer Waffe ist die Gefahr vor Unterdrückung oder Bedrohung nicht so sehr gegeben, wodurch auch immer mehr Kinder Waffen besitzen. Bewaffnete terrorisieren Unbewaffnete (Asymmetrierung). Viele haben sich mit dem Zustand der Staatenlosigkeit gut arrangieren können, beispielsweise verdienten sich Milizen eine Menge an Schutzgeld (Kommerzialisierung). Aber mit der Weiterentwicklung der Ökonomie scheint die Staatenlosigkeit nicht mehr größere Vorteile zu bringen. Viele Geschäftsleute tätigen große Investitionen für ihren eigenen Schutz. Da Somalia international nicht vertreten ist, nimmt niemand die Rechte des somalischen Staates wahr. Zum Beispiel fischen Frachter aus Japan oder Korea die Küstengewässer leer, andere deponieren ihren radioaktiven Müll an den Küstengebieten. Würde die Staatenlosigkeit für viele nicht zum Vorteil genutzt und die Nachteile klarer vermittelt, wäre dies ein wichtiger Schritt im Friedensprozess. (red)

Links und Lesetipps

Der Standard: Interview mit Somalia-Forscherin Jutta Bakonyi

UNICEF zur Krise in Somalia: Kinder leben in Alptraum aus Gewalt

Quellen

Thania Paffenholz: Gewaltsame Konflikte in Somalia. In: Wissenschaft und Frieden, 22/2004, S. 34-45.

Bettina Rühl: Es gilt das Gesetz des Dschungels – Somalia als Beispiel für Staatszerfall in Afrika. In: Entwicklungshindernis Gewalt. Ein Arbeitsbuch über neue Kriege und erzwungene Armut – für Oberstufe und Erwachsenenbildung. Wuppertal, 2006, S. 62-65.

Kennzeichen der neuen Kriege. In: Entwicklungshindernis Gewalt. Ein Arbeitsbuch über neue Kriege und erzwungene Armut – für Oberstufe und Erwachsenenbildung. Wuppertal, 2006, S. 58-59.

Bildquelle: Wikipedia


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