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Judentum und Krieg

Auch in der hebräischen Bibel finden sich sehr wohl Aussagen, die Kriege im Namen Gottes oder sogar von ihm selbst angeführte gewaltsame Eroberungen beschreiben (v. a. im Zusammenhang mit der "Landnahme" nach der Rückkehr aus dem ägyptischen Exil), aber auch Visionen und Aufforderungen zum Aufbau eines gerechten Friedens ohne Waffen und Gewalt (z. B. bei einigen Propeten, in der Gestalt eines gewaltfreien Messias).

Zumindest als Akt der Selbstverteidigung scheint das Führen von gerechten Kriegen in der jüdischen Tradition großteils gerechtfertigt. Besondere Brisanz hat diese Frage im Zusammenhang mit zwei politischen Ereignissen des 20. Jahrhunderts, weshalb hierzu einige Stimmen vorgestellt werden sollen:

Die Shoah/Der Holocaust

Angesichts der Massenvernichtung von Jüdinnen und Juden im Dritten Reich stellten sich viele jüdische (und auch nicht-jüdische) Menschen die Frage, ob der Holocaust durch gewaltsamen oder gewaltfreien Widerstand verhindert hätte werden können. In einem berühmten Briefwechsel über diese Frage zwischen Mahatma Gandhi und dem jüdischen Philosophen Martin Buber schreibt letzterer:

"Wissen Sie oder wissen Sie nicht, Mahatma, wie ein Konzentrationslager ausschaut und was dort passiert? Kennen Sie die Schrecken im KZ, seine Methoden der langsamen und schnellen Folter? ... Es gibt eine Situation, in der aus der Satyagraha der Seelenstärke keine Satyagraha der Wahrheitskraft [Satyagraha ist Gandhi's Ausdruck für aktive Gewaltfreiheit] werden kann. Das Wort 'Martyrium' bedeutet Zeugenschaft; wenn aber kein Mensch da ist, der das Zeugnis entgegennimmt? Solches Zeugnis wird getan; doch wer darf es fordern?"

Und an anderer Stelle sagt Buber über sich:

"Ich bin kein radikaler Pazifist, ich glaube nicht daran, daß man überall auf Gewalt mit Gewaltlosigkeit zu antworten habe, ich kenne die Tragödie von Angesicht!"
 

Zum Beispiel: Der israelisch-palästinensische Konflikt

Auch im aktuellen Nahost-Konflikt spielen religiöse Motive in vielerlei Hinsicht eine bedeutende Rolle. Von jüdischer Seite her sollen hier zwei entgegengesetzte Strömungen bzw. Organisationen genannt werden, die sich beide auf den jüdischen Glauben als Grundlage beziehen, jedoch zu völlig verschiedenen Ansichten kommen.

  • Die SiedlerInnenbewegung: Hier spielt v. a. die sich selbst als religiös-zionistisch verstehende Erneuerungsbewegung Gush Emunim ("Block der Getreuen"), die 1974 unter den SiedlerInnen im Westjordanland entstand, eine tragende Rolle. Sie fußt auf den religiösen Prinzipien des Messianismus (der Glaube an einen messianischen Erlösungsprozess durch die Gründung des Staates Israel und die Inbesitznahme des ganzen Landes gemäß den biblischen Schriften: "Eretz Israel"), der Auserwähltheit des jüdischen Volkes, der Heiligkeit des Landes Israel und der Tora. Die radikalen SiedlerInnen sehen sich als Avantgarde des jüdischen Volkes und als Träger seines geschichtlichen und endgeschichtlichen Erlösungswillens, der die Begeisterung und Spiritualiät im Lande steigert und durch Aktivitäten den Siedlungsprozess vorantreibt.
  • Die RabbinerInnen für Menschenrechte (Shomrei Mishpat): Gegründet 1988, besteht diese Menschenrechtsorganisation aus ca. 100 ordinierten Rabbis. In ihrer Selbstdarstellung schreiben sie:
    "Die RabbinerInnen für Menschenrechte zeigen dem religiösen und nicht-religiösen Sektor der Öffentlichkeit die Notwendigkeit der Erinnerung daran, dass das Judentum ein anderes Gesicht hatte. Menschenrechtsverletzungen sind nicht vereinbar mit der uralten jüdischen Tradition der Menschlichkeit und moralischen Verantwortung oder mit der biblischen Sorge für "den Fremden in eurer Mitte" – sogar im Angesicht der Bedrohung der öffentlichen Ordnung und Sicherheit, die der Aufstand [der PalästinenserInnen in der 1. Intifada] mit sich brachte." (ph)

Quellen

Christian Bartolf (Hg.) (1998): Wir wollen die Gewalt nicht. Die Buber-Gandhi-Kontroverse. Berlin: Gandhi-Informationszentrum Selbstverlag.

H. Berndt (1998): Gewaltfreiheit in den Weltreligionen. Vision und Wirklichkeit. Gütersloher Verlagshaus.

M. Polner/S.Merken (Hg.) (2007). Peace, Justice and Jews: Reclaiming our Tradition. Bunim&Bannigan.

bornpower.de: Israels Siedlungspolitik – Grundlagen des Nahostkonflikts. (abgerufen am 05.02.2008)

Israel.net: Rabbis for Human Rights. (abgerufen am 05.02.2008)

Nahostfriede.at: Jüdische Stimme für einen gerechten Frieden. (abgerufen am 05.02.2008)

Jewish Peace Fellowship.org  (abgerufen am 05.02.2008)

Bild: sxc.hu


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