Der Gazastreifen – eine humanitäre Katastrophe

Die Gewaltstruktur der Weltwirtschaft und die Globalisierung des sogenannten freien Marktes tragen viel dazu bei, dass ein Großteil der Weltbevölkerung in Armut und mit Hunger lebt. Kriege sind die Spitze dieser Gewaltstruktur.

Sie bedeuten häufig ein Zusammenbruch der Volkswirtschaft eines Landes und sind maßgeblich dafür verantwortlich, dass sich Armut und Hunger im Land ausbreiten. So zum Beispiel der gewaltvolle Konflikt zwischen Israel und den Palästinensischen Gebieten. Durch eine massive Blockade von Seiten des Staates Israel lebt die Bevölkerung des Gaza-Streifens in einem gefängnisähnlichen Zustand und wird gezwungen an Armut und Hunger zu leiden.

Am Beispiel: Der Gazastreifen – eine humanitäre Katastrophe

Seit dem Jahr 1967 ist der Gazastreifen unter israelischer Besatzung. Für die 1,5 Millionen BewohnerInnen hat sich die Lage besonders im letzten Jahrzehnt massiv verschlechtert. Als Folge der Machtübernahme der Hamas (eine palästinensische, islamische Organisation mit einem sozialpolitischen und einem paramilitärischen Teil. Die Europäische Union, die USA und andere Staaten bezeichnen Hamas als Terrororganisation) und dem Abfeuern von Raketen gegen Israel hat die israelische Regierung eine massive Blockade über den Gazastreifen verhängt. Das bedeutet, dass fast keine Lieferungen nach Gaza gelangen, beinahe keine Waren exportiert werden können und Menschen, die dringend ärztliche Behandlung außerhalb Gazas benötigen, die Ausreise nicht genehmigt wird.
Menschen sterben an den versperrten Grenzübergängen oder langsam in den Krankenhäusern von Gaza, die weder ausreichende Stromversorgung noch Medikamente haben. Besonders Kinder und alte Menschen sind von der Blockade betroffen, denn sie bräuchten dringend sauberes Wasser und ausreichend Lebensmittel. Doch es fehlt an allem im Gazastreifen – an Baumaterial, Lebensmitteln, medizinischen Geräten, Medikamenten und vielem anderen. „In weniger als 10 Jahren ist die Zahl der Familien, die auf die Lebensmittelhilfen des UNRWA (Hilfswerk der UN für die Palästinensischen Flüchtlinge) angewiesen sind um das Zehnfache gestiegen (Crisis Action, 2008: 9).

Der Staat Israel hat das Recht und die Pflicht seine BürgerInnen vor Angriffen zu schützen. Jedoch sind die verhängten Blockaden alles andere als ein Schutz der israelischen Bevölkerung. Der Gazastreifen hat sich in ein Gefängnis verwandelt. Durch die Isolation und Armut, in die der Gazastreifen von Israel gebracht wurde, wächst Verzweiflung und Wut. Für den Friedensprozess im Nahen Osten wäre eine Annäherung der zivilen Bevölkerung auf beiden Seiten aber von größter Bedeutung.
Als Besatzungsmacht wäre der Staat Israel verantwortlich für das Wohlergehen der palästinensischen Bevölkerung. Die verhängte Blockade ist nach der Vierten Genfer Konvention völkerrechtswidrig (Artikel 33, Vierte Genfer Konvention wurde von Israel im August 1949 unterzeichnet. Die Vierte Genfer Konvention ist ein internationales Abkommen über den Schutz von Zivilpersonen während des Krieges.).

Zivile Initiativen im Gazastreifen

Viele Menschen in den Besetzten Gebieten haben sich in kleineren und größeren Gemeinschaften verbunden und arbeiten in den verschiedensten Bereichen aktiv am Friedensprozess mit. So zum Beispiel das Palestinian Centre for Human Rights (Palästinensische Zentrum für Menschenrechte). Dieses wichtige Zentrum wurde 1995 von einer Gruppe von AnwältInnen und MenschenrechtsaktivistInnen gegründet, unter anderem um Menschenrechte zu schützen und eine demokratische Zivilgesellschaft zu unterstützen.

Internationale Hilfe

Die UNRWA ist eine im Jahr 1949 von den Vereinten Nationen gegründete Organisation, die Palästinensische Flüchtlinge unterstützt. Ihr Hauptsitz ist in Gaza und die zentralen Hilfsprojekte sind: medizinische Versorgung, Versorgung mit Lebensmitteln, Erziehung und Ausbildung.Unter anderem arbeitet auch das Internationale Rote Kreuz im Gazastreifen. In der Zusammenarbeit mit dem Palästinensischen Roten Halbmond versorgt es Schwerverletzte und führt lebensnotwendige Operationen in einem Krankenhaus in Gaza Stadt durch.

Weltweit gibt es viele Initiativen, die sich mit der Palästinensischen Bevölkerung solidarisieren. So z.B. die Friends of Palestine Society (Gesellschaft der Freunde von Palästina), die in Großbritannien gegründet wurde und sich für die Sensibilisierung und Möglichkeiten des Aktivismus einsetzt. Die Organisation Jews for Justice for Palestinians wurde in Großbritannien gegründet und setzt sich kritisch mit der Israelischen Politik auseinander. Sie setzt sich aktiv für die unterdrückte palästinensische Bevölkerung ein.
Eine Initiative im Bereich von wirtschaftlicher Zusammenarbeit ist Zaytoun. Es ist eine Organisation, die durch fairen Handel mit Produkten aus Palästina (Olivenöl, Seifen, Mandeln u. a.) die Menschen dort wirtschaftlich unterstützt und somit einen wichtigen Beitrag für eine Zukunft ohne Hunger und Armut leistet.

Die Initiative One Family More, die von zwei StudentInnen ins Leben gerufen wurde, setzt sich zum Ziel palästinensische Familien in prekären Situationen finanziell und ideell zu unterstützen. Die zwei StudentInnen haben Kontakt zu einem palästinensischen Studenten, der die Erlöse jeweils an Frauen einer hilfsbedürftigen Familie weitergibt. Aus dem Verkauf von palästinensischen Produkten und über die Beziehung zu einem palästinensischen Studenten ist es One Family More möglich, immer mehr Familien zu unterstützen. Diese Initiative zeigt die zivilgesellschaftliche, internationale Solidarität mit der palästinensischen Bevölkerung.

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Quellen, Lesetipps und Links

http://www.unrwa.org/ (offizielle Homepage von UNRWA)

http://www.pchrgaza.org/portal/en/ (Palestinian Centre for Human Rights – Palästinensiches Zentrum für Menschenrechte)

http://friendsofpalestine.wordpress.com/ (Freunde von Palästina – Organisation)

http://www.zaytoun.org/ (Fairer Handel mit Produkten aus Palästina)

http://jfjfp.com/ (Jews for Justice for Palestine – Juden für Gerechtigkeit für Palästina)

(die Links wurden am 16.4.2018 abgerufen)

Quellen

AG Friedensforschung (2009): „Gaza. Land ohne Hoffnung“ Ein aufrüttelndes Buch der ARD-Hörfunkkorrespondentin Bettina Marx – Und ihr Tagesschau-Bericht „Albtraum Gaza-Streifen“, verfügbar unter: http://www.ag-friedensforschung.de/regionen/Gaza/marx.html 

Crisis Action et al. (2008): Der Gazastreifen, Eine humanitäre Implosion, übersetzt aus dem Englischen von Amnesty International Deutschland, verfügbar unter http://www.ag-friedensforschung.de/regionen/Gaza/Implosion.pdf 

BBC News (2009): Who are Hamas?, verfügbar unter http://news.bbc.co.uk/2/hi/middle_east/1654510.stm

(die Links wurden am 16.4.2108 abgerufen)

Bildquelle: Ahron de Leeuw, verfügbar unter www.flickr.com/photos/ahron/148331044/ (abgerufen am 16.4.2018)